I’m Not Who You Think I’m Not #1

Donna Kukama, Chapter F: The Free School for Art and all 'Fings Necessary (until Fees Fall), 2017, Performance, Johannesburg Public Library (Beyers Naude Square), T-Shirt produziert von Kunststudierenden im 3. Studienjahr während der #FeesMustFall-Proteste an der Universität von Witswatersrand, 2016, Foto: Thomas Geiger (Kunsthalle 3000)

Each One Teach One (EOTO) e. V.
Müllerstraße 56–58
13349 Berlin

Eröffnung des Veranstaltungsprogramms I’m not who you think I’m not

Das kuratorische Team der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst eröffnet am 7. Juli 2017 das Veranstaltungsprogramm I’m not who you think I’m not. Knapp ein Jahr vor Ausstellungsbeginn präsentiert der erste Abend des öffentlichen Programms Aktionen in Zusammenarbeit mit dem Verein Each One Teach One (EOTO) in Berlin-Wedding. 2014 eröffnete EOTO mit einer Bibliothek und Projekten, die darauf ausgerichtet sind, Räume für kollektiven Wissensaustausch zu schaffen. Das Ziel ist es, zukünftige Narrative zu entwickeln, zu prägen und zu verändern.

Der Verein hat sich nach dem gleichnamigen Slogan „Each One Teach One“ benannt. Das Motto steht für unkonventionelle Wege, die Zustände des Nicht-Wissens durch gleichberechtigte Lernprozesse beenden. Historisch gesehen bezeichnet es Momente, in denen Wissensproduktion als Ausdruck des Widerstands gegen unterdrückende Systeme angewendet wurde. Als Philosophie bietet „Each One Teach One“ einen Rahmen für verbindende Erfahrungen und generationsübergreifende Konversationen in ihren komplexesten und mitunter auch unangenehmen Ausprägungen.

I’m not who you think I’m not distanziert sich von Zuschreibungen bezüglich eines spezifischen Daseins und Know-hows. Als Folge gesellschaftlicher Konstrukte entstehen Annahmen darüber, wie jemand ist oder zu sein hat. Bis zum Ende der 10. Berlin Biennale im September 2018 stellt das öffentliche Programm Situationen her, die sich diesen Annahmen entziehen.

Die Eröffnungsveranstaltung wird von den EOTO-Mitgliedern Philipp Khabo Koepsell und Victor Omere sowie den Gästen Donna Kukama, George Shire und Jota Mombaça gestaltet. In performativen Gesten reflektieren sie die Wechselwirkungen zwischen visionären Fiktionen, Nicht-Lehren, Monstrosität und Menschlichkeit als Wege des Widerstands und der Stärkung von Potenzialen der Selbsterhaltung.


Biografien der Teilnehmer*innen

Die Multimediakünstlerin Donna Kukama arbeitet mit Performance, Sound, Text und Video. Ihre Praxis widersetzt sich gängigen Vorgehensweisen und präsentiert häufig Institutionen, Buchkapitel, Denkmäler oder historische Archive, die in ihren Konstruktionen genauso real wie fiktiv sind. Sie zeigte Performances in der South African National Gallery in Kapstadt, SA; im Museum van Hedendaagse Kunst Antwerpen, BE; und im New Museum in New York, US. Außerdem nahm sie an der 12. Biennale de Lyon, FR; der 6. Moscow Biennale of Contemporary Art in Moskau, RU; sowie für den südafrikanischen Pavillon an der 55. Biennale di Venezia in Venedig, IT; teil. Sie erhielt 2014 den Standard Bank Young Artist Award für Performancekunst und war 2010 für den MTN New Contemporaries Award sowie 2011 (als NON NON Collective) für den Visible Award nominiert. Aktuell ist sie Nicht-Lehrende im Sinne eines Unterrichtens abseits gängiger hierarchischer Dynamiken und Strukturen der Wissensvermittlung an der Wits School of Arts in Johannesburg, SA.

George Shire ist ein unabhängiger, simbabwischer Intellektueller, dekolonialistischer Denker, Kulturtheoretiker, DJ und enthusiastischer Jazzsaxophonist. Er ist Dozent an der Kunst- og designhøgskolen i Bergen (KHiB), NO, und ehemaliger Gaststipendiat am Institute for Art Education der Zürcher Hochschule der Künste, Zürich, CH. Über 35 Jahre lehrte Shire an zahlreichen Universitäten und Hochschulen in Großbritannien, darunter am Surrey Institute of Art & Design, Farnham, Surrey; dem Richmond upon Thames College in Twickenham; der University of London; der Open University in Milton Keynes und der University of the Arts London. Dabei galt sein Forschungsinteresse visueller Kultur und postkolonialer Theorie. Shire gehört zur Redaktionsleitung von Soundings. A journal of politics and culture und DarkMatter, einem Magazin für postkoloniale Theorie und Kultur. Er lebt in London.

Jota Mombaça ist Schriftsteller*in und Performancekünstler*in, geboren und aufgewachsen im Nordosten Brasiliens. Mombaça ist eine nicht-binäre „bicha“ (Brasilianisches Portugiesisch, vulgär für homosexuelle Person; „Schlampe“). Sie*er schreibt, performt und forscht zu den Beziehungen zwischen Monstrosität und Menschlichkeit, Kuir (Queer) Studies, Decolonial Turns, politischer Intersektionalität, antikolonialer Gerechtigkeit, Umverteilung von Gewalt, visionären Fiktionen, dem Weltuntergang sowie zu Spannungen zwischen Ethnien, Ästhetiken, Kunst und Politik in der Wissensproduktion „südlich des globalen Südens“. Aktuelle Arbeiten beinhalten die Kooperation mit Oficina de Imaginação Política, São Paulo, BR, sowie 2017 die Künstlerresidenz mit dem Capacete-Programm auf der documenta 14, Athen, GR/Kassel, DE.

Philipp Khabo Koepsell ist ein in Berlin lebender Spoken-Word-Performer deutsch-südafrikanischer Herkunft. Auf der Bühne mischt er afropolitische Lyrik mit Botschaften aus dem Schwarzen deutschen Aktivismus und mit theatralischen Elementen zu seiner Performance-Poesie. Mit Fokus auf der Ermächtigung zu selbstbestimmtem Leben und Verhandlungen von Rasse und Identität tourte er bereits durch Europa und Südafrika. Er ist Autor von Die Akte James Knopf. Afrodeutsche Wort- und Streitkunst (2010, UNRAST Verlag) und Herausgeber der Anthologien Afro Shop und Arriving in the Future: Stories of Home and Exile (2014) sowie The Afropean Contemporary (2015, alle Epubli GmbH, Verlagsgruppe Holtzbrinck). Er arbeitete als Kurator und dramaturgischer Berater für das Ballhaus Naunynstraße und ist derzeit Projektkoordinator bei EOTO.

Victor Omere ist ein Spoken-Word-Performer aus Benin-Stadt, NG. Er ist 2014 nach Berlin gezogen, um einen Eindruck westlicher Kultur zu gewinnen und seine Ausbildung in angewandter Informatik zu vertiefen – dafür lernt er gerade Deutsch. In seinen Gedichten verleiht er leblosen Objekten eine Stimme und bestärkt und ermutigt Menschen, ihr Leben positiv zu gestalten. Er tritt bei Open-Mic-Veranstaltungen wie der Poetry Meets Series auf. Momentan arbeitet er als „Kiezläufer“ und vermittelt Informationen zwischen EOTO und den mit dem Verein verbundenen afrikanischen Communities, Kirchen und Ladenbesitzer*innen.


Programm:

1. OG

19 Uhr
Begrüßung
EOTO-Mitglieder Mara Nombamba und Philipp Khabo Koepsell sowie die Kuratorin der 10. Berlin Biennale Gabi Ngcobo mit dem kuratorischen Team Moses Serubiri, Nomaduma Rosa Masilela, Thiago de Paula Souza und Yvette Mutumba

19.30 Uhr
The Feel of a Problem
Lecture-Performance von Schriftsteller*in und Performancekünstler*in Jota Mombaça

20.15–20.45 Uhr
House of Poets
Performance von Autor und Spoken-Word-Performer Philipp Khabo Koepsell
Performance von Spoken-Word-Performer Victor Omere

21–21.30 Uhr
Performing the Ontological Turn
Klangperformance und Lesung des Intellektuellen, dekolonialistischen Denkers, Kulturtheoretikers, DJs und leidenschaftlichen Jazzsaxophonisten George Shire

18.30–21.30 Uhr
Projektion von Büchern der EOTO-Bibliothek, die über die laufende kuratorische Recherche der 10. Berlin Biennale informiert (25-minütiger Loop)

18.30–21.30 Uhr
Buchstand von Ricky Reiser


EOTO-Bibliothek

18.30–21.30 Uhr
Chapter P: The-Not-Not-Educational-Spirits
Fortlaufende Performance der Multimediakünstlerin Donna Kukama


Dank für die Unterstützung der Veranstaltung an Carrols